Venedig und venicemarathon 25.10.2015

Mozarts Zauberflöte, Fantastischer Marathon, Dankgottesdienst, Vaporetto-Fahrt am Morgen, Campanile und Markusplatz

Die Planung meiner Marathonläufe hat zwei unterschiedliche Grundlagen: Entweder suche ich zu einem bestimmten Termin einen Marathon, fast egal an welchem Ort, oder ich suche mir einen Veranstaltungsort aus und prüfe, ob der Termin mit Familie und Beruf vereinbar ist. Venedig gehörte zur letzteren Variante. Vor etwa dreißig Jahren war ich mit meinen Eltern schon einmal vor Ort, Erinnerungen hatte ich nur an den Markusplatz mit seinen Tauben. Als ich irgendwo las, dass es in Venedig einen Marathon gibt, dieser in die Jahresplanung passte, wusste ich, er muss es sein! Schnell meldete ich mich an und kaufte mir den obligatorischen Marco Polo Reiseführer. Nun bin ich von der Reise zurück und immer noch fasziniert!

Mit Germanwings ging es Samstag gegen 11 Uhr nach Venedig. Vom Flughafen Marco Polo fuhr ich mit dem Bus 20 Minuten Richtung Venedig, um in San Giuliani, Mestre, auf der Marathon Expo meine Startunterlagen abzuholen. Anschließend fuhr ich mit dem Bus noch einmal 10 Minuten über die Schwimmbrücke zum Piazzale Roma. Dort bekam ich einen ersten Einblick in Venedig und dessen Wasserbussen und –taxen. Ich stieg in ein Vaporetto um, welches mich zu einer der meist gemalten und fotografierten Brücke der Welt brachte: Die Rialtobrücke. Von dort ging ich 5 Minuten Richtung Campo Manin, wo mein Hotel Centauro lag. Das Einzelzimmer mit Frühstück für 125 Euro in direkter Nähe zum Markusplatz hatte ich schon Monate vor der Anreise früh gebucht. Eine Woche vorher war der Tarif schon um 100% angestiegen. Es war nicht preiswert, aber hatte für mich die perfekte Lage, ein sauberes kleines Zimmer, sehr nettes Personal und ein gutes Frühstück. Ich checkte nur kurz ein, da um 15:30 Uhr mein ersten Highlight anstand: Im Teatro La Fenice hatte ich mir eine Karte für Mozarts Zauberflöte gekauft. Ich kam 5 Minuten vor Beginn an und genoss die erste Stunde mit Papageno bis zur Pause, in der ich mich dem sehr schönen Bauwerk widmen konnte. Das Haus wurde erst vor etwa 10 Jahren, nachdem es 1996 komplett abgebrannt war, in seiner ursprünglichen Form nachgebaut. Nach der Pause erfreute ich mich an der Königin der Nacht. Die Vorstellung dauerte zwar in Summe 2 Stunden 40 Minuten, kam mir aber nie langweilig vor, da es schön war und ich Ruhe, insbesondere für die Beine, vor dem Marathon gut gebrauchen konnte. Vor der Bettruhe genoss ich noch die Gassen Venedigs, eine Pizza und anschließend noch ein paar Süssigkeiten.

image

Die Zeitumstellung schenkte mir eine Stunde. Ich musste spätestens um 7:15 am Tronchetto (Markt und Bushalteplatz vor den Toren Venedigs) sein. Frühstück gab es erst um 8 Uhr, so dass ich mit meinem am Vorabend erworbenen 3 Schokocroissants um 6:30 Richtung Rialtobrücke ging. Von dort fuhr ich mit dem Vaporetto zum Tronchetto. Die Fahrt war schon ein Erlebnis: Nur gut gelaunte, lachende Marathonis auf dem Boot, die Sonne ging gerade auf und erzeugte herrliche Lichtverhältnisse. Mit dem Bus ging es dann etwa eine halbe Stunde Richtung Padua. Wir hatten unseren Startpunkt des Marathon erreicht: Die Stadt STRA mit ihren herrlichen Villen, allen voran die Villa Pisani! Herrliche Bauwerke.

image

Etwa 10.000 Marathonis standen in den Startblöcken. Der Hubschrauber des italienischen Fernsehens kreiste dauern über uns. Die italienische Hymne wurde von einer Kapelle gespielt und alle Italiener sangen laut mit: Sehr emotional und tief beeindruckend! Dann ging es um 9.40 Uhr los. Meine Renntaktik (siehe unten Vorbericht) ging nicht auf. Die ersten drei mal 10 KM lief ich in 54:30; 54 und 57 Minuten, so dass ich bei KM 30 knapp 2 Stunden 48 Minuten auf der Uhr hatte. So schnell war ich noch nie gewesen – so platt war ich aber auch noch nie bei KM 30. Bis KM 30 führte die herrliche Strecke zumeist neben einem Fluss durch sehr schöne Kleinstädte, in der tolle Stimmung war und Anfeuerung deutlich zu hören war. Nachdem ich schon von KM 25 bis KM 30 echt beißen musste, beschloss ich bei KM 30, wo es auf die Schwimmbrücke Richtung Venedig ging, also erst richtig losging, dass es zu schön dort ist, um sich zu quälen. Ich ging längere Strecken, genoss die frischen Apfelsinen an den Verpflegungsstellen und trabte Richtung Markusplatz.

image

Die letzten etwa gut 5 Kilometer waren überragend: Es ging am Wasser entlang über zahlreiche Brücken, sogar über eine große eigens für den Marathon errichtete Brücke über den Canale Grande hin zum Markusplatz. Zahlreiche Zuschauer säumten insbesondere diesen und den letzten Teil der Strecke und feuerten uns mit „Forza, Forza!“ an. Die letzten 1-2 Kilometer ging es vom Markusplatz am Wasser entlang zum Ziel wieder über einige Bücken, die jeweils gesäumt waren von Zuschauermassen. Bei 4 Stunde 23 Minuten und 32 Sekunden lief ich durchs Ziel. Stolz lies ich mir die Medaille des 30. Jubiläums des Venedig Marathon um den Hals hängen. Schön war es!

image

Nach Genießen der Stimmung vor Ort ging ich zum Hotel. Die erfrischende Dusche und ein kurzes Nickerchen weckten wieder reichlich Kräfte, dass ich mich aufmachte, um gegen 17:30 Uhr in der Kirche San Zulian einen Gottesdienst als Dank, dass ich es wieder gesund ins Ziel geschafft habe, zu besuchen. Auch wenn ich kein Italienisch kann und somit nichts verstanden habe, war es ein schönes Erlebnis. Anschließend genoss ich noch ein leckeres Abendessen: Vorweg Muscheln, dann eine Pizza Capriciosa mit Gorgonzola Köse extra, sehr lecker!

image

Am Montag morgen schleppte ich mich mit Muskelkater um 7 Uhr Richtung Rialtobrücke. Ich fuhr von 7:15 Uhr bis 8:45 Uhr bei angenehmen Temperaturen, aufgehender Sonne und blauem Himmel mit dem Vaporetto Linie 1 von der Rialtobrücke, zum Markusplatz bis hin zur vorgelagerten Lido-Insel, anschließend zurück. Touristen waren erst wenige unterwegs, mehrheitlich Berufstätige betraten und verließen den Wasserbus.

image

Es waren herrliche 1,5 Stunden, auch gute Erholung meine Beine.

Wieder angekommen, ging ich zum Hotel zurück, um ausgiebig zu frühstücken. Gut gestärkt ging ich gegen 10 Uhr Richtung Markusplatz. Nach 15 Minuten Anstehen fuhr ich den knapp 100 Meter hohen Campanile hoch, um oben den herrlichen Ausblick in die vier Richtungen zu genießen: An der einer Seite der Blick auf das Marathon Ziel und zur Lido-Insel, daneben der Blick auf Mestre und die Schwimmbrücke, dann der Blick auf die Kreuzfahrtschiffe und abschließend auch noch der Blick auf den Canale Grande und die zahlreichen ihn umsäumenden Paläste. Danke, dass ich hier oben dieses Wetter genießen durfte!

image

Unten angekommen musste es doch noch eine Pause sein. Ich genoss einen Cappuccino in der Sonne auf dem Markusplatz und nahm die 9 Euro dafür in Kauf. Anschließend ging ich noch bis 13 Uhr durch die schönen Gassen Venedigs. Auffällig war, dass in den Gondeln, welche jeweils von Italienern mit Sonnenbrille gelenkt wurden, fast ausschließlich Japaner sassen – selbstverständlich alle mit Kamera in der Hand.

image

Nach abholen meines Koffers Fuhr ich von meiner Haltestelle mit Vaporetto wieder zum Piazzale Roma, von wo aus ich die Linie 5 zum Flughafen nahm. Dort und bis Lohne verlief alles ohne Unterbrechungen, so dass ich um 19:30 Uhr wieder zuhause ankam.

image

Venedig und venicemarathon waren eine Reise wert – sehr empfehlenswert!

————————————————————-
Vorbericht eine Woche vor dem Marathon:

Rennstrategie und Vorabendernährungsstrategie

Ich glaube, dass mein Körper derzeit in der Lage ist, einen Marathon mit einem Durchschnittstempo von 5min 30sec je Kilometer zu laufen. Das Problem: Mein Gehirn weiß das nicht, so dass es immer ab Kilometer 32, wenn es eigentlich erst richtig losgeht, dem Körper sagt: „Gehe nun, es tut Dir gut!“ Der Körper hört darauf und fängt an zu gehen – anstatt sich an die immer geltende Marathonweisheit zu halten: „Du kannst so oft aufgeben wie du willst, Hauptsache deine Beine laufen weiter!“ Es muss folglich eine Strategie her, die den Körper bzw. das Gehirn überlistet.

Nach dem heutigen letzten Lauf über 21 KM habe ich mir eine Renntaktik für Venedig zurechtgelegt:
Mein Coach Arnie hatte für heute angeordnet, dass ich 2 Stunden laufe: 15 Minuten normal, 15 Minuten Marathonrenntempo (MRT), 15 Minuten normal, 15 Minuten MRT usw…. Ich habe es dergestalt umgesetzt: 3 KM in 5:40/KM, 3 KM in 5:05/15 je KM, 3 KM in 5:40/KM, 3 KM in 5:05/15 je KM usw. bis zu KM 21. Ich habe mich während des Laufes und auch noch am Ende fantastisch gefühlt. Selbst 5 Minuten je KM fühlten sich locker an, die folgenden 3 KM in je 5:40 waren Erholung. So weiß mein Hirn, dass immer Erholungskilometer kommen nach einer Belastung. Es ist nicht so langweilig und eintönig. Ferner habe ich bei KM 33 schon etwa 6 Minuten „Vorsprung“ vor meinem sub4 Ziel, wenn ich es mit den „normalen“ 5:39 je KM vergleiche.

So sieht also meine Taktik für Venedig vor, es genauso zu machen. Von KM 34 bis 36 muss ich das letzte Mal ein hohes Tempo von etwa 5:25 für 3 KM laufen, um mich dann zu erholen für 3 KM. Anschließend genieße ich die letzten 3 KM, um etwa nach 3 Stunden 56 Minuten ins Ziel zu kommen. Ich bin schon gespannt, wie das „Plan vs. IST Conttrolling“ nach dem Lauf aussehen wird.

Venedig Taktik

Da ich mich heute optimal gefühlt habe, werde ich kommenden Samstag auch meine Vorabendernährung analog dem gestrigen Samstag Abend umsetzen. Erdnussflips, Toblerone, Schokolinsen und Hanuta! OK, ich werde vorher auch noch Nudeln essen und zwei Weizen alkoholfrei trinken. Die Tüte mit den Sweets ist schon im Koffer. Damit wird es sicher ein super Lauf.

Ernährung Venedig

Venedig, Markusplatz, ich kommme! Rechne mit mir kurz vor 13 Uhr (wenn ich um 9 Uhr über die Startlinie laufe)

%d Bloggern gefällt das: