Luxembourg 70.3 – ein halber IRONMAN

„Congratulations! You are an ironman!“ – ein Halber!

Mit dieser Aussage hing er mir die Medaille nach dem Zieleinlauf um den Hals. Stolz entgegnete ich: „Thank you, a halve one!“ Es war ein langer Weg bis zu dieser Medaille. Der lange Weg mündet auch in einen langen Bericht. WOW, was war das für ein Erlebnis!!!

Der Entschluss und die Vorbereitung

2014 nahm ich mit Alex am ITU Triathlon in Hamburg in der Olympischen Distanz (1,5; 40; 10) teil. Es hat so viel Spaß gemacht, dass im Sommer der Entschluss reifte, einmal eine Mitteldistanz mitzumachen. Im September 2014 meldete ich mich für den Luxembourg 70.3 Ironman in Remich an der Mosel an. Auch Alex konnte ich davon überzeugen. Über den Winter habe ich mich mit Laufen fit gehalten. Ende April in London und im Mai in Lohne habe ich jeweils einen Marathon absolviert. 5 Wochen vor dem großen Event ging ich zu Arnie und fragte ihn, was ich tun müsse, um ohne Verletzung durchzukommen – meine Zeit schätzte ich bei knapp 7 Stunden ein: 50 Minuten für 1,9 KM Schwimmen, 3h 30 Minuten für 90 KM Radfahren und 2h 15 Minuten für den abschließenden Halbmarathon. Incl. Wechsel waren somit 6h 45 Minuten drin. Am kommenden Abend hatte ich meinen Trainingsplan, der im Wesentlichen Freitag, Samstag und Sonntag 1-3h Radfahren vorsah mit einmal danach 1h Laufen. Für das Schwimmen kaufte ich mir bei Arnie einen Neopren, so dass auch der erste Teil des Events ausreichend Berücksichtigung fand. Ich habe den Plan „abgearbeitet“ und jedes Wochenende dazu noch 2 KM im Lohner Freibad geschwommen, 2 mal mit Neopren bei 17 Grad Wassertemperatur. Am Schönsten habe ich die Radtour mit Johannes incl. Besichtigung der Ziegelbrennerei um 6 Uhr in der Früh in Erinnerung. Zwei Wochen vor dem Event wurde ich etwas nervös und suchte bei Christian, einem Schwimmprofi, Ratschläge, die er mir wohlwollend gab. „So schlimm, wie Du es am Telefon schildertest, sieht es gar nicht aus.“ Er gab mir wertvolle Tipps. So viel zu Vorbereitung.

Vor dem Rennen

Am Freitag reiste ich mit Elisabeth an. Nach der Wettkampfbesprechung checkten Alex und ich unsere Räder ein. Im Vergleich zu den Rennmaschinen unserer Mitbewerber waren es einfache Drahtesel. Wir holten unsere Startnummern und Kleiderbeutel ab und bestaunten die Ironman Expo. Wir entdeckten Shirts, auf denen hinten alle Namen der Teilnehmer abgedruckt waren. Welch ein fantastisches Marketing, IRONMAN! Natürlich erwarben wir jeder eines. Die Verpflichtung, nun auch zu den Finishern zu gehören, wurde größer. Wer trägt schon ein Shirt mit seinem Namen, wenn er den Wettkampf nicht erfolgreich beendet hat?

Shirt

Shirt Name

Abends ging ich mit Elisabeth in unserem Hotel Essen: Seezunge mit Kartoffeln (die Tagliatelle wurden vergessen) und einen Rivaner aus Luxembourg. Die Vorbereitung war damit abgeschlossen.

raceday 20. Juni 2015: Start um 14:05 Uhr

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Blick auf die Mosel, unser Schwimmrevier: Die Bojen werden gerade gesetzt.

Die Moseltemperatur lag bei 21 Grad Celsius, so dass ich mich entschloss, ohne Neopren zu schwimmen, da als Brustschwimmer ein Neo einengt. Als ich ins Wasser ging, hatte ich unter den weiteren 1.700 Teilnehmern vergeblich noch jemanden gesucht, der auch mit Oberkörper frei geschwommen ist. Neben Alex habe ich noch zwei weitere gesehen, die nur einen Einteiler trugen – alle anderen hatten einen Neoprenanzug. Jemand mit französischem Akzent fragte mich, ob ich wirklich ohne Neo schwimmen wolle. Da ich keine Diskussionen vor dem Start gebrauchen konnte, antwortete ich, dass ich davon eine Allergie bekomme. Wir wünschten uns viel Erfolg und ich hatte meine Ruhe.

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Vor dem Schwimmstart: Einer sieht anders aus als alle anderen

Als ich ins Wasser stieg, war es wirklich angenehm temperiert. Auf der Radstrecke bei Schengen wurde mir klar, warum die Mosel so warm war: Das Kernkraftwerk Cattenom, welches in Sichtweite lag, muss schließlich auch gekühlt werden.

Arnold hatte mir noch empfohlen, dass ich den Neo zu meinem Schutz anziehen solle, wenn ich überschwommen werde, denn dann komme man schneller wieder an die Wasseroberfläche. Er meinte dieses sehr ernst. Da entgegnete ich ihm meine Renntaktik: Ich lasse die über 250 Mitbewerber meiner Altersklasse (45-49) erst mal losschwimmen und dann lege ich los. Diese Taktik setzte ich auch um und schwamm, wie Christian es mir empfohlen hatte, mit gleichmäßigen kurzen Zügen mit langen Gleitphasen – der Start war geglückt. Nach etwa 25 Minuten bekam ich Zweifel, da die Wendeboje noch weit weg war. Nach dem Rennen stellte ich fest, dass diese nicht bei 500, sondern bei etwa 750 Metern war. Kurz danach überholte ich auch den ein oder anderen: Stolz kam auf! Als ich nach 43 Minuten aus dem Wasser stieg, konnte ich es kaum glauben, dass ich knapp 5 Minuten schneller war als in jedem Training vorher im Schwimmbad. Mir ist noch nicht klar, woran es lag. Entweder kosten meine Wenden im Schwimmbad jeweils viel Zeit oder der Tipp meines Kollegen Jörg war wertvoll, dass ich entgegen der Strömung am Rand Schwimmen solle, da dort die Strömung am Geringsten sei, und mit der Strömung mitten in der Mosel, um die stärkste Strömung mitzunehmen. Vielleicht waren es auch Christians Tipps oder auch nur das Wettkampfadrenalin. Am Ausstieg nahm ich viel Jubel war: Die Zuschauer applaudierten wohl, da der erste nur mit Badehose aus dem Wasser kam. Das war ein sehr guter Beginn des Events!

Nach dem Ausstieg galt die Konzentration sofort dem Wechsel´: Beutel aufnehmen, abtrocknen, Shirts anziehen, Sochen und Schuhe anziehen, Beutel abgeben und zu Rad laufen, Helm aufsetzen und schließen, Startnummer umbinden und mit dem Rad aus der Wechselzone rauslaufen. WOW, es lief alles sehr locker, ich kam gut in meinen Rhythmus, der Tacho zeigte immer um die 30 KM/h, es lief gut. Bisher war ich immer nur mit 6 bar gefahren und hatte dieses mal 7,5 bar aufgepumpt – möglicherweise lief es daher so locker. Nach den ersten 35 KM ging es in die Weinberge.

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Im Hintergrund ist zu sehen, dass die Strecke links abgeht und dann in die schönen Weinberge führt: Unser erster Anstieg!

Insgesamt waren gut 800 Höhenmeter zu bewältigen, die Berge waren maximal etwa 300 Meter hoch. Zweimal erwischte ich mich bei dem Gedanken: Es muss doch einen niedrigeren Gang geben als den ERSTEN, gab es aber nicht – die Oberschenkel brannten! Zu Belohnung gab es fantastische Abfahrten durch die Weinberge – eine herrliche Streckenführung. Als ein Warnschild auf 12% Gefälle verwies, griff ich, als mein Tacho 57 Km/h anzeigte, zur Bremse, es wurde mir zu schnell. Gut, dass es trocken war. Bis 11 Uhr hatte es am Morgen geregnet, aber dann war es leicht bewölkt, knapp 20 Grad und trocken – optimale Bedingungen. Einmal sprang meine Kette ab, was mich zu einem kurzen Stopp zwang, aber die Kette hatte ich schnell wieder drauf. Bei KM 60 hat mich ein großes Insekt in den Oberschenkel gebissen. Da es sehr weh tat und sehr groß aussah, dachte ich, dass es das gewesen sei und ich nun durch solch einen Biss aufgeben müsse. Nein, der Schmerz lies nach und war kurz danach vergessen. Nach 3h 18 Minuten kam ich wieder in Remich an. Die letzte 10 KM an der Mosel entlang und durch Schengen durch lag die Konzentration schon auf dem Wechsel zum Laufen. Vor der roten Linie sprang ich vom Rad ab und lief mit ihm zum Standplatz 1574. Der Streckenteil, vor dem ich am meisten Respekt hatte, war geschafft, und ich fühlte mich noch sehr gut.

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Helm ab, rasch in die Laufschuhe, Beutel abgeben und los ging es. Keine Schmerzen, nicht das Gefühl von Hamburg 2014, dass meine O-Beine nach außen brechen, es lief locker an. Vier Runden á gut 5 KM musste ich noch laufen. Die ersten beiden liefen wahnsinnig locker, dann begann es, etwas schwerer zu werden. Da ich viel schneller als gehofft unterwegs war, beschloss ich, dass ich ab KM 12 alle 2,5 KM an jedem Verpflegungsstand jeweils zu gehen und meine Getränke in Ruhe zu mir zu nehmen.

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Alex überholte mich in meiner dritten Runde, er hatte nur noch 2 KM zu laufen, WOW! Die vierte Runde war schon ein echter Genuss, ich freute mich etwa 30 Minuten auf den Zieleinlauf, war aber konzentriert, dass ich nicht jetzt noch aus Überheblichkeit einen Fehler machte, der das Ziel in weite Ferne brächte. Etwa 500 Meter vor dem Ziel richtete ich mich für das Zielfoto her. Dann sah ich, dass direkt vor mir noch jemand lief. Ich musste ihn überholen, sonst drohte, dass ich kein gutes Erinnerungsphoto bekam. Schließlich waren – für mich sehr ungewohnt – Medien, d.h. Handys auf der Strecke untersagt. Ich zog an ihm vorbei und hörte den Sprecher noch sagen: „From Italia….sorry, before….. from germany Dirk Thole….“

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Dann bekam ich die Medaille als Belohnung für einen 6h 20 Minuten dauernden, faszinierenden Nachmittag! Ich war stolz lies mich mit Medaille und Rosenkranz aus Florenz, der mich bei jedem Event begleitet und unterstützt, ablichten, was für ein Event!

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Wie geht es weiter?

Am Abend kam die Idee noch nicht direkt auf. Da waren Alex und ich noch eher davon überzeugt, dass es im kommenden Jahr noch mal ein 70.3 werden soll. Ab dem Sonntag kann ich aber den Gedanken nicht mehr loswerden, dass halbe Sachen nichts für mich sind. Noch denke ich, dass es in 2016 eine Langdistanz in Zürich, Maaastricht, Kopenhagen, Klagenfurt oder – mein derzeitiger Favorit- Mallorca wird. Ich werde noch viele Nächte davon träumen können………

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