Kraichgau Ironman 70.3 – 5. Juni 2016: Tolles Event!

Tolles Event: Strecken, Publikum, Stimmung und Organisation waren super!

Eigentlich wollte ich den 5.Juni 2016 in Nizza verbringen, um eine Langdistanz zu bewältigen. Da aber Monica mir einen Link über die mögliche Vergabe von Nachrückerstartplätzen bei der Challenge Roth zusandte und ich schnell reagierte, hatte ich das Glück, dort am 17. Juli 2016 einen der begehrtesten Langdistanz Startplätze erwerben zu dürfen.
Kurzerhand habe ich mich entschieden, innerhalb der Ironman-Organisation umzubuchen, um im Kraichgau auf der Halbdistanz 70.3 einen echten Leistungstest 6 Wochen vor Roth zu absolvieren.

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Meine AK startete erst um 9:50 Uhr, so dass ein gutes Frühstück um 7 Uhr mit Rührei und zwei Brötchen mit Honig drin war.

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Ich hatte auch ausreichend Zeit, die Atmosphäre aufzusaugen, die vorherigen Starts zu schauen und die Räder der Profis zu bestaunen, bspw. die von Sebi Kienle, Boris Stein und Anja Beranek.

Kraichgau Sebis Rad

Der Schwimmstart im Wasser und auch die gesamte Strecke verlief sehr geordnet, obwohl gut 300 Teilnehmer im Wasser waren. Bei den 200 in Fuerteventura hatte ich einige Schläge gespürt, hier keinen. Ich fand schnell meinen Rhythmus und –es klingt banal – spulte meine Schwimmfähigkeiten ab, ohne große Aufregung und auch ohne die letzten 10% rauszuholen. Als ich beim Ausstieg auf meiner Uhr eine 39:50 aufleuchten sah, war ich etwas enttäuscht – auf Fuerteventura waren es 35 Minuten. Ich hatte mit 38 Minuten gerechnet und von 35 Minuten geträumt. Woran es lag, kann ich nicht sagen. Zeit war schließlich für mich OK.

_DSC0246Der Wechsel klappte: Schwimmbrille nach oben schieben, aber am Kopf lassen, Uhr abmachen, Oberteil auf Hüfthöhe abstreifen, Uhr wieder anlegen, Beutel holen, Brille aufsetzen, Badekappe und Schwimmbrille in Beutel, Neo abstreifen, schitt, geht nicht über linken Fuß- Chip abgemacht, dann ging es, Helm auf, da kam das nächste Problem: Der Rosenkranz, der mich immer begleitet, passte nicht über den Helm, folglich Helm wieder ab und Rosenkrank über den Kopf und Helm wieder aufsetzen und schließen. Dann die Entscheidung: Mit Strümpfen oder ohne? Ich schlüpfte ohne in die Schuhe, da ich von Regen ausging nicht mit nassen Socken Rad fahren und laufen wollte. Neo in den Beutel und los. Ein Blick auf den Boden offenbarte: Da liegt noch mein Chip – schnell um den linken Fuss, Beutel im Laufen verknotet, ein Knoten muss reichen, dann in die Box geworfen. Auf dem Weg zum Ausgang noch eine „Steh-4er-Dixie“ mitgenommen und Rad geholt. Mit dem Rad zum Ausgang und über die Linie gelaufen, ab der man aufsteigen darf, Uhr auf „Rad-Start“ gedrückt, aufgestiegen und ab ging es. Beim Wechsel kann ich noch etwas professionalisieren, aber letztlich dauerte der gesamte Übergang 5:01, selbst wenn ich 1-2Minuten reinhole, letztlich egal bei dem Ausblick auf 13,5 Gesamtstunden. Dann lieber in Ruhe und ohne Hektik nichts vergessen.

Kraichgau Radstart

Für die Radstrecke hatte ich mir keine Zielzeit vorgenommen, da mich die Erfahrungen auf Fuerte sehr verunsichert hatten: Knapp 4 Stunden Kampf gegen Berge, bei denen ich sogar einmal 300 Meter Anstieg schieben musste und eine Schuhplatte verlor, und Wind hatten mich besiegt und nachhaltig verunsichert. Zudem hatte ich Respekt bzw. Angst vor dem für 12 Uhr angesagten Regen / Gewitter (Wahrscheinlichkeit 40%). Erst zwei Tage vorher war ich in St. Goar erstmals überhaupt im Regen Berge auf und ab gefahren – das war keine schöne Erfahrung. Somit hatte ich zwei Ziele: Heile durchkommen und nicht wieder von der Strecke besiegt und gedemütigt zu werden. An mein Zeitziel von Fuerte mit 3:15 wagte ich nicht zu glauben.
Ich kam sehr gut in den Tritt, es leuchtete immer ein Tempo von 32 / 33 KM/h auf dem Tacho, OK, das muss Rückenwind sein. Es waren 9 Berge mit in Summe etwas über 1.000 Höhenmetern zu bezwingen. Die Anstiege waren teils lang gezogen, teils kurz und steil. Ich konnte es nicht glauben, aber es lief einfach, ich kam die Berge gut hoch und die Abfahrten konnte ich runterbrettern mit bis zu 64 KM/h Spitzengeschwindigkeit, ohne zu viel Risiko einzugehen. Nach einer Stunde habe ich mein erstes von zwei Nutellabrötchen genossen – Tip von Anja Beranek. Lecker, endlich mal kein Gel oder Riegel!

Kraichgau mein Rad

Es rollte weiter genial; auch wenn ich sehr viel überholt wurde, kam es sogar vereinzelt vor, dass auch ich jemanden überholte. Nach zwei Stunden gab es das zweite ans Rad geklebte Nutellabrötchen, um die beiden letzten Berge zu bezwingen, insbesondere den Schindelberg 10 KM vor dem Ziel – es fiel mir leichter als gedacht, ich konnte es nicht fassen! Ich stieg vor der Linie vom Rad und stoppte die Uhr:3:13:23 – ich war überglücklich!
Nachdem mir das Rad abgenommen wurde, lief der Übergang dieses mal flüssig. Ich musste ja nur Schuhe wechseln und Helm absetzen. In Summe bis zum Beginn der Laufstrecke 2:59 – alles OK.
Im Kopf hatte ich schon die letzten KM der Radstrecke, dass ich tatsächlich bei etwa 6h 20 min rauskommen werde, wenn ich die Laufzeit von meinen ersten beiden 70.3 mit etwa 2:20 bestätige. Ich hatte mir aber vorgenommen, im Schnitt eine 5:59 zu laufen, also etwa 2h 6 min, d.h. es war sogar eine Zeit unter 6h 10 min drin.
Ich kam gut in Tritt und der erste KM war ein Tempo von 5:45. Kurz kalkulierte ich, dass ich vielleicht sogar unter 6 Stunden erreichen könne, wenn ich jeden Kilometer in 5:30 laufe. Just in dem Moment, danke an meinen Rosenkranz für dieses Zeichen, zwickte es im hinteren rechten Oberschenkel. Sofort war klar: Ergebnis absichern, versuchen, locker im 6er Schnitt den Halbmarathon schaffen. Nach einigen KM rief jemand meinen Namen: So klein ist die Welt, ich sah Tanja, die mir auch später noch ein Bild sandte vom Radstart. Und weiterlaufen. So lief es dann auch, immer im Hinterkopf den Gedanken, dass in 6 Wochen abschließend ein Marathon ansteht. Bei jedem Getränkestand das gleiche Prozedere: Gehend 2 Schwämme ausgedrückt zur Kühlung, eine ISO-Getränk und ein Wasser und wieder weiter laufen. Ungläubig, dass ich es dieses mal wirklich durchziehen konnte und wollte, nicht immer zu gehen, wenn es weh tut, lief ich weiter. Einige 100 Meter vor dem Ziel noch schnell den Einteiler geschlossen, die Haare gerichtet, Sonnenbrille in die Haare und …..den Zieleinlauf genossen! Nach einem Kreuzzeichen als Dank für die immer gute Unterstützung und dem Blick auf die final gedrückte Uhr konnte ich es nicht glauben: 6h 6 Minuten! Ich war mächtig froh und stolz und bin es – nun im Zug sitzend – auch einige Tage später noch!

Kraichgau Zielbild

Mich auf den Boden zurückgeholt haben dann die Ergebnisse von meinem Arbeitskollegen Dirk mit 5:18, von Benedikt mit 4:36 (!!!) und Inga mit 5:05 (!!! 19. Von allen Frauen incl. Profis!!!) – das ist eine andere Welt, Respekt und herzlichen Glückwunsch zu dieser für mich nicht möglichen Leistung.
Ich werde trotzdem weiter träumen, dass ich in Roth meine erste Langdistanz erfolgreich absolviere. Arnold wird mir die richtigen Tipps geben, dieses Mal hat es auch geklappt, Danke, Arnie! Kraichgau 70.3 hat mir Mut und Selbstvertrauen gegeben, dass es möglich ist.
Kraichgau 70.3 Ironman – ein sehr empfehlenswertes Event in allen Belangen!

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