2. April 2017 – Regenschlacht am Tiber: Rom als Jubiläumslauf (Marathon Nr. 25)

Marathon Nr. 25: ROM – Regenschlacht am Tiber

Es war ein wunderschönes, unvergessliches Wochenende

Kurzfassung:
Dominic, Juanita, Markus, Silke und ich hatten gemeinsam ein traumhaftes Rom-Wochenende. Beim Marathon erlebten wir neben Regengüssen und heftigem Gewitter Emotionen pur. Dominic rannte in 3:51, Markus in 3:58 und ich ging von Schmerzen geplagt nach 4:28 ins Ziel – wir alle hatten ein Ziel erreicht: Uns wurde nach dem Zielenlauf die Medaille um den Hals gehangen. Wir hatten anschließend einen fantastischen Abend in Trastevere und im alten Rom. Ein schöner Nebeneffekt: Wir konnten ohne großen Aufwand Spendenmittel für die Dürrekatastrophe in Afrika von über 4.000 Euro einwerben. Danke allen Unterstützern!

Langfassung:

2016 kam der Gedanke auf, dass mein 25. Marathon etwas Besonderes sein solle. Nach dem Berlin Marathon beschloss ich, dass es nach 2012 noch einmal Rom sein solle. Damit es der 25. sein kann, musste ich im Oktober noch Oldenburg absolvieren, so war alles angerichtet, um ab Januar ins Training einzusteigen. Die Freude war um so größer, als auch Dominic und Markus zusagten, dass sie auch Rom laufen werden. Im Bewusstsein, dass ab Januar das Training beginnt, konnte ich mir im November und Dezember ein paar Leckereien gönnen, da die Pfunde ja im Training purzeln werden. Ab Januar 2017 hatte ich mit Dominic und Michael – wir starten im Mai zusammen auf Mallorca beim 70.3 Triathlon – zwei Freunde gefunden, die auch ein paar Kilos über hatten. Jeden Samstag früh musste jeder sein Gewicht und Bauchumfang in der Cloud abspeichern und wir spornten uns so gegenseitig an – es hat geklappt: Der Körper war bezgl. Gewicht und Herz-Kreislauf in einer Top Form.

Drei Wochen vor dem Marathon sollte der 25KM-VFL Lauf ein letztes Belastungstest sein. Ich lief in 2:13 (~5:20/KM) ins Ziel und war damit locker sogar schneller als geplant. Allerdings hatte ich während des gesamten Laufes leichte Schmerzen in der linken Leistengegend. AM Tag danach waren die Schmerzen stark, so dass ich in den kommenden Wochen 3 Physios und einen Heilpraktiker aufsuchte, die es schafften, dass ich der Auffassung war, dass ich es meinem Körper zumuten durfte, in Rom meinen 25. Marathon zu laufen. Die Schmerzen waren allerdings so, dass ich in den letzten drei Woche nur zwei Läufe a 30 Minuten absolvieren konnte. Das Selbstvertrauen war aber groß genug, dass es losgehen konnte mit dem klaren Ziel, sogar unter 4 Stunden zu finishen.

Am letzten Wochenende war ich mit Caroline in der Abendmesse. Die Predigt von Dechant Büscher brachte mich auf den Gedanken, dass wir doch kurzfristig noch einen Spendenmarathon organisieren konnten, um die Dürrekatastrophe bzw. deren Auswirkungen auf die in Afrika lebenden Menschen etwas zu unterstützen. Dominic sagte auf meine Frage sofort zu, dass er dabei ist. Als Unicef Pate war diese Organisation mein erster Ansprechpartner. Ich stellte fest, dass Unicef keine einfache Möglichkeit bietet, Spendenseiten im Internet zu erstellen. So wählten wir die Organisation: Aktion Deutschland hilft. Die Seite war schnell gelauncht und über Facebook beworben. Innerhalb von einer Woche kamen – auch dank eines tollen Artikel von Franz-Josef Schlömer in der OV – über 2.000 Euro zusammen. Incl. unserer Zusage konnten Dominic und ich somit über 4.000 Euro zur Verfügung stellen. Danke an alle Unterstützer!

In Rom am Samstag morgen angekommen bezogen wir unser Hotel. Hotel Teatro Pace in der gleichnamigen Straße in direkter Nähe zum Piazza Navona. Ein sehr empfehlenswerte Unterkunft. Sehr sauber, tolle ruhige Lage und preiswert (EZ 75€/NAcht incl. Frühstück auf dem Zimmer). Marco, unser Taxifahrer, der uns schon vom Flughafen zum Hotel fuhr, brachte uns zum Marathon Village im Palazzo dei Congressi. Von Berlin waren wir verwöhnt, dass es kein „Schlange stehen“ bei der Startnummernausgabe gibt. Im Rom standen wir etwa 45 Minuten in der Sonne, um anschließend unsere Unterlagen in Empfang zu nehmen. Der Teint der brennenden Sonne steht uns auch heute noch gut. Eine Fotosession schloss den ersten Akt des maratona di roma, so dass wir zum Mittagessen richtig Hotel fuhren.

Den Nachmittag und Abend haben wir mit Essen und Trinken in verschiedenen Gastronomien und Gelaterien verbracht. Da unser Hotel zentral gelegen war, konnten wir sogar die Engelsburg im Vatikan erreichen und dort – wie konnte es anders sein – unserem Drang zum Fotografieren nachgehen. Es waren angenehme 20-25 Grad, die wir genossen haben. Wir hatten in direkter Hotelnähe ein herrliches gemeinsames Abendessen, so dass wir gestärkt in die Nachtruhe gehen konnten.

Der raceday begann für mich um 6 Uhr. Ich ging im Laufdress zum Piazza Navona und absolvierte ein paar Schritte laufend – der bekannte leichte Schmerz war wie erwartet noch da. Die Gedanken gingen von „das geht auf keinen Fall“ über „OK – dann musst Du halt eine Schmerztablette vorab nehmen“ hin zu „es ist doch so, wie Du es vorher wusstest. Also heule nicht, nach drei Kilometern merkst Du den Schmerz nicht mehr, so wie es in Oldenburg und beim letzten 30 Minuten Trainingslauf war“. Nach dem Frühstück ging es um 7:45 Uhr gut gestärkt zu fünft bei Trockenheit zum Start. Durch Absperrungen mussten wir Umwege gehen, so dass wir erst nach etwas 30 Minuten den Startbereich erreichten. Auf dem Weg dahin kam uns noch der ehemalige Formel 1 Fahrer und heutige beinamputierte Handbiker Star Alessandro Zanardi entgegen. Er gewann anschließend zum 6. Mal in Rom.

Unseren gelben Start-Bereich konnten wir nicht mehr ergattern, da wir gerade rechtzeitig zu unserem Start um 8:50 Uhr am Collosseum waren. Endlich ging es los. Der erste Regen setzte auf der Startlinie ein. Dominic, Markus und ich liefen gemeinsam los. Entgegen allem, was man machen sollte, hatte ich eine Schmerztablette vorab eingenommen. Ich merkte die Beschwerden, das kannte ich aber ja. Es würde ja bald aufhören, war meine Überzeugung. Ich musste die beiden ziehen lassen, da sie ach einem ersten langsamen Kilometer eine Pace von 5:20 hatten. Bei KM 5 hatte ich beide noch einmal erreicht, aber musste dann abreißen lassen. Ich lief nicht locker, aber trotzdem mein Tempo von 5:30/KM. In mir kreisten immer die Gedanken, warum denn nicht endlich der Schmerz nachlasse. „So wirst Du nicht durchlaufen können.“ Bei KM 17 oder 18 am Vatikan vorbei hatte sich bei KM der Gedanke verfestigt, dass ich nicht finishen könne. Mein erstes DNF wird heute da sein. Ich musste weinen: Gemeinsamer Rom-Spendenmarathon, mein 25. Jubiläumsmarathon – und ich werde ohne Medaille nach Hause kommen. Zu dem Zeitpunkt eine für mich „schreckliche“ Vorstellung. Ich lief weiter nach dem Motto: „Du kannst so oft aufgeben, wie du möchtest, Hauptsache der Körper läuft weiter.“ Den Halbmarathon durchlief in genau in den geplanten 1:57. Ich lief einfach weiter. Erste Gedanken kamen auf: „Du hast doch noch eine Schmerztablette dabei, nimm die doch. Nein, das geht gar nicht.“ Bei KM 25 – weiter im strömenden Regen mit völlig durchnässten Schuhen und Strümpfen – hörte ich hinter mir jemanden rufen: „Sharky“. Ich erblickte Markus, der auf dem Dixie seine zweite Pause einlegen musste. Er zog mich bis KM 30 – er machte einen fantastischen Eindruck. Ich war vom Leiden geprägt. Markus überzeugte mich, dass ich nach 2h30min doch noch die Tablette einnahm. Mein Herz-Kreislauf fühlte sich noch sehr gut an, was auch die Herzfrequenzanalyse nach dem Lauf bestätigte. Ich bat Markus, dass er sein Tempo laufe, da er die sub4 schaffen solle – ich konnte nicht mitziehen. Die Schmerzen wurden auch bis 2h55min nicht weniger, so dass ich bei Durchqueren von KM 31 beschloss: „Sei wenigstens jetzt endlich vernünftig und gehe, damit der Schaden nicht immens wird.“ Ich wollte somit die kommenden 11 KM gehen. Mein Gehtempo lag bei 9 bis 10 Min/KM. Ich errechnet, dass ich bei 4h45 finishen werden – es kam ein gutes Gefühl auf. „Ja, ich werde die Medaille mitnehmen.“ Kurz nahm ich einen Facebook Live Post auf, dass ich lebe und nun gehen muss. Ein Problem war, dass auch das Gehen sehr schmerzte – trotz Schmerzmittel. Eine (echte) Alternative gab es aber nun (für mich) nicht mehr. Etwa bei KM 34 sprach mich jemand an: „Herr Thole?“ Ich hielt an und begrüßte den jungen Mann und die Frau. Wir kommen auch aus Lohne und haben in der OV gelesen, dass sie hier laufen. Tolle Aktion!“ Ich konnte nur entgegnen: „Ja, ich wollte laufen, aber nun muss ich gehen.“ So schleppte ich mich bis zu KM 38. Ich kalkulierte und testete an, ob Laufen geht. Es schmerzte gleich stark wie das Gehen. So bin ich die letzten 4 Kilometer teils gelaufen. An der Spanischen Treppe lies ich noch ein Foto als Erinnerung machen.

Nach 4:28:40 erreichte ich das Ziel. Es war ein unglaubliches Gefühl, es doch geschafft zu haben. Als mir die Medaille umgegangen wurde, schossen mit wieder Tränen in die Augen. Das sind die Momente, weswegen ich Sport und insbesondere den Ausdauersport Marathon so liebe. Dankbar hielt ich meinen treuen Begleiter, meinen Rosenkranz, in der Hand und posierte für ein Foto. Es fiel mir schwer, nicht zu weinen.

Am Abend hatte Dominic ein tolles Restaurant in Trastevere vorgebucht. Es war der Hit! Tolles Essen und bombastische Stimmung durch ein Kombo mit einem Akkordeon, einem Sänee und einer Sängerin. Mit einer kleinen Spende konnten wir uns live Hits wie „Ti amo“, „Felicita“ und „Papageno aus Mozarts Zauberflöte“ wünschen und anhören. Der leckere Rotwein und die große Ramazotti-Runde von Markus unterstützten die beste Stimmung.

Die Abend schlossen wir ab in einer Lokalität in Hotelnähe.

Ein krönender Abschluss war der Bericht von Franz-Josef Schlömer in der OV am Mittwoch. Danke Franz-Josef, Danke an alle Spender von dominic und mir.

Bei dem Gedanken daran, mit uns 5 oder auch weiteren Interessierten im kommenden Jahr bspw in Barcelona an den Start zu gehen, um noch mal so ein schönes Erlebnis zu Beginn der Saison zu haben, merke ich meine Schmerzen an der Muskulatur im Leistenbereich schon nicht mehr.

Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt.

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